| Studien- & Aktivreisen |
|
Weit-Blicke, Waldstr. 68, D-04105 Leipzig Tel. 0341-9808570 Fax 0341-9808575 info@Weit-Blicke.de www.Weit-Blicke.de |
Karelien erstreckt sich vom Ostteil Finnlands bis zum Weißen Meer. Es umfasst im Süden den Ladoga- und den Onegasee, die beiden größten Binnengewässer unseres Kontinents. Im Norden grenzt es an Lappland und die Halbinsel Kola.
Wer durch Karelien reist, wird in dieser Landschaft im Nordosten Europas auf einen ganz eigenen Rhythmus stoßen. Die unermesslichen Wälder und die immer wieder auftauchenden Seen, Flüsse und Moore vermitteln Ruhe, haben etwas Kontemplatives an sich, das eine nicht fassbare Kraft ahnen lässt. Unterstrichen wird dies vom moderaten Relief, das von den Gletschern der Eiszeit geformt wurde: flache Hügel und zahlreiche Schären.
Karelien ist bei aller Ursprünglichkeit eine Region mit reicher Kultur und bewegter Geschichte. Die
Nahtstelle zwischen dem Einflussgebiet der Skandinavier und dem der Russen verläuft durch dieses
Land. Diese Grenzlinie wurde seit Hunderten von Jahren wiederholt nach Ost und West getrieben,
mitunter um riesige Entfernungen, immer infolge von Kriegen. Dabei herrscht innerhalb der
Bevölkerung seit alters her friedliches Miteinander der verschiedenen Ethnien.
Der Holzreichtum und
Eisenerzvorkommen machten die Region wirtschaftlich interessant. Die Weite und Abgeschiedenheit
großer Teile des Landes führten im 17. Jh. dazu, dass hierher besonders viele russische Altgläubige
vor dem Zugriff des Zaren und des Russisch Orthodoxen Patriarchen flohen. Später erlangte das
Land traurige Berühmtheit durch die Einrichtung von Straflagern des sowjetischen GULAG.
Ausgangspunkt unserer Erkundungen wird die Hauptstadt Kareliens sein, das am Ufer des Onegasees gelegene Petrozavodsk. Wir begegnen hier einer Stadt mit dreihundertjähriger Geschichte, die von Peter dem Großen zeitgleich mit St. Petersburg gegründet wurde. Angelegt wurde die Stadt 1703 als Waffenschmiede während des Nordischen Krieges gegen Schweden. Binnen weniger Jahre entstand ein Zentrum der Hütten- und Rüstungsindustrie.
Eine architektonische Kostbarkeit erwartet uns auf der Insel Kiži im Onegasee. Hier fügen sich die Mariä-Schutz-Kirche, die Christi-Verklärungskirche und ein Glockenturm zu einem Gebäude-Ensemble, das als Höhepunkt russischer Holzarchitektur gilt und zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Staunend versucht der Betrachter, dieses Phänomen zu fassen, das in der Formvollendung eines regelrechten Wäldchens von Zwiebeltürmen liegt, aber auch im silbrigen Seidenglanz des Eschenholzes und des scheinbar organischen Ineinanderfließens der Holzschindeln.
Eine Bootstour durch die Inselwelt um Kiži führt uns einen steten Wechsel der Landschaft vor Augen, während wir unseren Weg über Wasserflächen nehmen, in denen die ganze Welt eingebettet scheint. Hin und wieder werden kleinere Siedlungen aus Blockhütten und kleine Holzkapellen in unser Blickfeld rücken. Mitten in dieser malerischen Landschaft erwarten uns die Freuden der russischen Sauna und die karelische Gastfreundschaft in einem rustikalen Landhaus.
Wir werden in Medvež’egorsk auf Spuren des unmenschlichen sowjetischen GULAG-Systems stoßen. Im unweit gelegenen Sandarmoch wurden neun bis zwölftausend Lagerinsassen ermordet. Wenige Kilometer weiter überqueren wir den Weißmeerkanal, dessen Bau von September 1931 bis Mai 1933 einer Viertelmillion Strafgefangener das Leben kostete.
Ein Schwerpunkt unserer Reise ist der Besuch des größten europäischen Nationalparks Vodlozerski,
einem Teil der größten zusammenhängenden Waldfläche unseres Kontinents. Die Landschaft des
Nationalparks wird neben den Wäldern von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten bestimmt. Letztere machen
nahezu die Hälfte der Gesamtfläche aus.Der Park ist in seiner Ursprünglichkeit einzigartig. Wir
betreten eine archaische Welt, wie wir sie noch nie zu Gesicht bekommen haben. Sie ist Lebensraum
für Nerz, See-, Fisch- und Steinadler. Man hat einhundert Flechtenarten gezählt. Zahlreiche
sibirische Pflanzenarten kommen im Nationalpark vor. Auch findet man hier Orchideen des Nordens,
wie das zierliche, tief pinkfarbene Kappenständel.
Fernab jeglicher menschlicher Einflüsse besitzen
die hiesigen Moore und Sümpfe Seltenheitswert. Wir lernen im Vodlozerskij-Nationalpark mehrere
Typen von Feuchtbiotopen kennen, jeweils mit charakteristischer Flora und Struktur.
Zur Übernachtung
stehen einfache Herbergen im rustikalen traditionellen Stil bereit. Wir bieten Ihnen einen
naturnahen Aufenthalt mit bequemem Nachtlager und guter Küche.
Im Nationalpark befinden sich zahlreiche Kulturdenkmäler. Etliche
Ausgrabungsstätten zeugen von frühzeitiger Besiedlung. Zudem gibt es eine Reihe von Holzkirchen
und verlassenen Gehöften. Wir besuchen die auf einer Insel gelegene Iljinski-Kirche, ein
architektonisches Kleinod.
Den Rückweg nach Petrozavodsk nehmenwir direkt über den Onegasee.
Einen authentischen Eindruck vom Leben der Karelier vor hundert Jahren erhalten wir im Museumsdorf
Kinerma. Dieser mittlerweile nahezu verwaiste Ort hat keine großen äußeren Veränderungen während
der Sowjetzeit erfahren. Wir treffen hier auf erstaunliches Engagement Einzelner um den Erhalt der
gefährdeten Holzhäuser und die weitere Belebung des Museumsdorfs. Eine Erfolgsgeschichte zeichnet
sich ab. Das studentische karelische Vokalensemble Veresok wird mit einem Konzert in Petrozavodsk
nicht nur diesen Tag beschließen, sondern auch unsere Karelienreise überhaupt.
Hin- und Rückreise führen über Sankt Petersburg. Lassen Sie sich willkommen heißen in dieser
Metropole, deren Stadtbild maßgeblich vom Newa-Fluss und seinen vielen Nebenarmen bestimmt wird.
Über die Newa ist Sankt Petersburg eng mit Karelien verbunden, stellt diese doch den Ausfluss des
Ladogasees mit seinen riesigen Zuflussgebieten dar.
Die Gründung der Stadt geht zurück auf die Anlage der Peter-Pauls-Festung, deren Grundstein im Mai 1703 gelegt wurde, unmittelbar nach dem Sieg der Russen über die Schweden in diesem damals noch unwegsamen Flussdelta. Der Zugang zur Ostsee und die Verbindung zum binnenrussischen Flusssystem geben diesem Ort eine herausragende Bedeutung für Russland.
Natürlich besuchen wir die Peter-Pauls-Festung. Wir werfen einen Blick auf den Panzerkreuzer Aurora, einer Ikone der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Wir machen einen Abstecher zum Smolny-Institut mit seiner bewegten Vergangenheit. Einst Internat für adlige Töchter, wurde es 1917 zum Sitz der ersten kommunistischen Regierung Russlands. Auf dem geschäftigen Newski-Prospekt schlägt uns der Puls der Fünfmillionenstadt entgegen, und es erwarten uns architektonische Glanzstücke.
Von der romantischen Seite her erleben Sie Sankt Petersburg, wenn wir entlang der Kanäle und Parks im Stadtzentrum spazieren und weitere Eindrücke auf einer Bootsfahrt auf der Newa und den Wasserarmen quer durch die Innenstadt sammeln. Wir stoßen auf Spuren Dostojewskijs, Achmatowas, Puschkins, Bloks, Schostakowitschs und vieler anderer weltbekannter Persönlichkeiten.
Schließlichladen wir Sie ein, die Schätze der weltberühmten Eremitage zu entdecken.
Sie werden auf unserer Reise Gelegenheit haben, auf eigene Faust ein wenig vom russischen Alltag und den tiefgreifenden Veränderungen der Gesellschaft zu erfahren. Die politische, kulturelle und wirtschaftliche Liberalisierung nimmt in dieser autoritären Tradition mitunter recht eigenwillige Wege und weist neben all dem Positiven auch fragwürdige Auswüchse auf. Ob in den Weiten Kareliens oder in der Metropole an der Newa, hier treffen wir auf eine lebendige Alternative der westlichen Vorstellung von Fortschritt. Überlieferte Werte wie Familie, Religion und Patriotismus stellen einen Kraftquell dar, der wohl manchem westeuropäischen Reisenden die eine oder andere Frage bezüglich seiner eigenen Kultur beschert.